Vier Tage Teilnahme an friedlichen Protesten beim G20-Treffen in Hamburg

Gaby mit Attac-Orange

Zusammen mit fünf Jugendlichen aus Schwerin bin ich am Abend des 05.07.2017 nach Hamburg aufgebrochen, um dort auf friedliche Weise unsere Kritik und unseren Protest gegen die derzeitige Politik der G20 zu äußern.

Für manch einen hört sich das jetzt lapidar an und was heißt schon gegen G20 zu demonstrieren. Sehr viel meine ich: Wir brauchen endlich eine Auseinandersetzung und ein anderes Handeln in Bezug auf Klimaschutz, Gerechtigkeit, Globalisierung und vieles mehr. Deshalb war es doch nur logisch, dass ich in Hamburg dabei bin und meinen Protest friedlich zeige. Und wie sieht es mit den jungen Leuten aus? Die wollen ihr Leben gestalten und sehen doch, dass 80 Millionen Menschen auf der Flucht nicht für Zivilisation und Fortschritt stehen können. Es ist toll, dass sich junge Leute auf den Weg machen für eine bessere Welt. Und dann müssen sie feststellen, dass die Praxis eine andere Handschrift trägt.

Aber keine Sorge: wir geben nicht auf!

Mit vielen tausenden Aktivisten habe ich an sehr kreativen und bunten Aktionen teilgenommen sowie an Demonstrationen, deren Verlauf absolut gewaltfrei war. Leider sind unsere Botschaften und Appelle an die Teilnehmer des G20-Gipfels mit den Bildern von Gewalt, ausgeübt von Straftätern, in der Medienberichterstattung völlig untergegangen.

G20 Global Citizens Konzert

Positiv war auch das grandiose Konzert von „Global Citizens“ am Vorabend des Gipfels. 16.000 Besucher wurden ausgelost und prominente Vertreter aus Politik und Musik waren dabei, alle, weil sie sich global für Menschenrechte & Klimaschutz einsetzen. Dieser Abend brachte 706 Millionen Dollar Spenden für die Ärmsten der Welt, ein Riesenerfolg!
Die parallel dazu angemeldete und genehmigte Demo „Welcome to Hell“ war als einzige nicht mit Auflagen versehen, so dass man annehmen muss, sie sollte so niemals stattfinden, wofür die Strategie der Polizei dann ja auch sorgte.

Angesichts der Berichterstattung frage ich mich, warum wurde im Vorfeld so rigoros gegen angereiste Demonstranten und während der Demos auch gegen friedliche Protestler vorgegangen? Deeskalationsstrategien waren nicht zu erkennen. Als die Lage am Freitag eskalierte, fühlten sich die Anwohner allein gelassen. Augenzeugenberichte von beteiligten Sanitätern sprechen von zahlreichen teils schwer verletzten Demonstranten allein in einem Stützpunkt. Es bleibt die Frage, wem nutzen diese Gewalttaten, mit Sicherheit nicht der linken Szene.

Das was mich aber die ganze Zeit so beschäftigt, ist die Frage: Warum ist man auf dem rechten Auge so blind? Mich erinnert diese Ohnmacht der Staatsmacht weitläufig an die Zeiten der DDR, wo man mit Einschüchterung, Verleumdung, Zersetzen von Gruppen Stimmung gemacht hat. Die Diskussionen zur Roten Flora sind doch hanebüchen und durchschaubar.

Gewalt ist nicht zu tolerieren, da sind wir uns einig.

Aber nun hat man ja scheinbar genug Gründe, diese „autonomen Anarchos“ einzufangen und die gesamte Linke zu stigmatisieren. Übrigens: Bislang wurden noch keine wirklichen Erkenntnisse offengelegt, wer was wann gemacht hat. Die notwendige Distanz und Differenzierung fehlt hier völlig. Jedes Maß der Beurteilung ist außer Rand und Band.

Was läuft falsch, wenn bei Entscheidungen, getroffen von den 20 mächtigsten Staatsoberhäuptern der Welt uns alle betreffend, nicht eine Stimme für die Ärmsten ( z. B. die der UNO ) gehört wird?
Zwischen allen Demonstranten habe ich große Solidarität und intensiven Austausch über Inhalte erlebt.

Friedliche Proteste bei G20

Mein Fazit:

  • – Großartige Erlebnisse mit vielen Gleichgesinnten
  • – Entsetzen über die Gewalt von Seiten der Polizei, der vermummten Straftäter und nicht zuletzt der unbeteiligten Gaffer und Hobbyfilmer.
  • – Zurückbleibende Nachdenklichkeit und viele offene Fragen…

Linke Grüne Grüße Gaby Raasch

 

Tipp zum Anschauen: Klicke hier um zur Panorama-Sendung über die G20-Gewalt zu kommen, die alle Seiten in Betracht zieht

Ein Kommentar

  1. Ich kann mich dem Bericht nur anschließen. Ich war nur Samstag dabei und habe einen wunderbar bunten, kreativen und fröhlichen Protest mit vielen spannenden Initiativen für eine gerechtere und nachhaltigere Zukunft erlebt. Warum zum Ende hin plötzlich vollverkleidete Polizeistaffeln durch die Menge patroullieren mussten und Wasserwerfer aufgefahren wurden, hat sich mir nicht erschlossen. Ich war noch fast 2 Stunden nach dem offiziellen Demo-Ende dort und habe nur friedliche Leute gesehen, die sich unterhalten, getanzt, den hochkarätigen Reden gelauscht haben… Sehr, sehr schade, dass diese großartige Veranstaltung nicht mehr Gehör gefunden hat.

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