Die Zukunft ist weiblich

Und plötzlich wachen wir auf und die Welt hat sich gedreht…weiter, als wir es für möglich gehalten haben.

Spätestens, wenn dein Kind dich fragt „Kommt jetzt der dritte Weltkrieg?“ oder „Haben wir auch bald in Deutschland Krieg?“ weißt du, dass sich etwas signifikant geändert hat. Und bist froh, dass es bisher noch nichts von Atomwaffen und deren Bedeutung versteht. Also suchst du nach kindgerechten Antworten, in der Erinnerung daran, dass der frühere Golfkrieg dich damals in deiner Kinderseele akut getroffen hatte. (und die Nachrichten über das Ozonloch!) Wie sollst du deinem Kind diese Inhalte ehrlich und sachlich vermitteln, so dass es sich ernst genommen fühlt und trotzdem nicht in seinen Grundfesten erschüttert? Wie bewältigen das andere Eltern, die nicht in so einem bisher sicheren Land wohnen dürfen?

Wie wird diesen Kindern erklärt, dass der Boden unter ihren Füßen wackelt?

Wie absurd es sich anfühlt, dieses Gedankenkarussell, welches mich ständig heimsucht. Die Nachrichten kommen die Tage so schnell rein, dass ich ihnen kaum folgen kann und mir manchmal nicht sicher bin, was eigentlich das Hauptanliegen dieses Krieges ist. Geht es um Landnahme und alte Landesgrenzen? Geht es um Sicherheitsbündnisse? Geht es um Energie, Rohstoffe und Lebensmittel? Um verletzten Stolz, Religionen, Demokratie, Entnazifizierung oder Allmachtsfantasien eines Einzelnen? Um den Wunsch, sich in Geschichtsbüchern in einer Reihe von Despoten zu verewigen oder als Retter einer Nation? Die Liste ließe sich noch eine Weile fortsetzen, aber zu einem Schluss komme ich nicht.

Meine Gedanken drehen sich weiter.

Welche Zukunftsszenarien gibt es?

Die vollständige Kapitulation, mit dem Ergebnis, dass der Aggressor sich bestätigt fühlt und nach dem nächsten Land greift. Er könnte auch aufgeben und sich zurückziehen, dabei eine Blutspur hinter sich lassen, im besten Fall vor das Kriegstribunal gestellt werden und dabei sein Land in die Isolation geschossen haben. Der Krieg könnte sich hinziehen, im schlimmsten Fall so, dass andere Staaten vor Ort mit eingreifen. Dies hätte das Potential zum dritten Weltkrieg. Oder der Herr Kriegstreiber ist so in seiner Welt und seinen Ideologien gefangen, dass er auf den Knopf drückt. Kann jemand so verrückt sein? Die Frage müssen wir uns tatsächlich stellen. Dieses Zukunftsszenario mag ich nicht weiter ausmalen, schon das Wort Zukunft ist hier fehl am Platze. All diese Szenarien sind auch nicht wirklich gut einem Kind zu erklären.

Panzer Kiew

So oder so, was bewegt einen Menschen, internationales Recht für nichtig zu erklären und nur noch nach eigenem Gutdünken zu handeln? Umso mehr Tage vergehen, umso mehr verfestigt sich das Bild, dass diese Taten von langer Hand und auf breiter Basis vorbereitet wurden. Die Masken fallen und wer genauer hinschaut, entdeckt plötzlich auch dort zweite Gesichter, wo sie gar nicht vermutet wurden. Ein ungeheures Geflecht offenbart sich und dabei auch die Erkenntnis, dass die ruhigen Jahre wohl vorbei sind. Welche Welt kommt auf uns und unsere Kinder zu?

Haben wir nicht eine ganz andere Hauptaufgabe zu lösen?

Ich frage mich, was für ein Mensch es ist, der so kurzsichtig und engstirnig denkt, der den Tisch der Diplomatie verlässt und nur noch seinem eigenen Gewissen folgt. Hat er keine Kinder? Eine kurze Recherche ergibt: doch, zwei Töchter (gut ferngehalten von der Öffentlichkeit), vielleicht sogar inzwischen Enkelkinder. Ob sie in seinen Gedanken sind, wenn er die Zukunft plant? Ob das Wohlergehen seines Volkes in den nächsten 100 Jahren in seinen Gedanken ist?

Viele Fragen bewegen mich und viele andere seit Tagen, eine sichere Antwort lässt sich möglicherweise erst in 10-20 Jahren darauf finden. Auch versuche ich mir vorzustellen, welch ein Staatssystem weiter vorangetrieben werden soll. Wie sieht es eigentlich aus im dortigen Parlament? Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine Frau dort entdeckt zu haben. Es mutet ein wenig wie zu DDR-Zeiten an.

Die Frauen sollen arbeiten in allen Bereichen – nur einer bleibt ihnen verwehrt: die Politik.

Puh, hatten wir das jetzt nicht genug? Was hat es der Welt gebracht? Welches sind heute die Staaten, die alternative Wege beschreiten und wer sitzt an ihrer Spitze?

Ich ertappe mich immer häufiger bei dem Gedanken, wie froh ich bin, dass Annalena Baerbock deutsche Außenministerin ist. Was habe ich geflucht, als wir Grüne das Verkehrsministerium aus den Händen gaben und wie viele Stimmen hinterfragten den Sinn des Außenministeriums. Und nun bin ich unheimlich erleichtert, dass wir eine so starke Frau „an der Front“ haben. Eine Frau, die dort brilliert, sich nicht scheut Wahrheiten auf den Punkt auszusprechen und sich von niemandem kleinkriegen lässt. Mir fällt ein berühmter Satz von Margarete Mitscherlich ein, gerade vor kurzem wieder gehört von Prof. em. Dr. Michael Succow: „Die Zukunft ist weiblich (oder es gibt sie nicht).“

Ich glaube, da ist tatsächlich etwas dran. Frauen neigen von Natur aus weniger zu Gewalt, sind oft diplomatischer, haben Mut neue Wege zu gehen und arbeiten effizient. Nach dieser letzten Vorstellung geballter Manneskraft plädiere ich dafür, den Frauen das Zepter zu überreichen. Wie es dann tatsächlich wird, lässt sich nicht vorhersagen. Anders auf jeden Fall, vielleicht besser.

Es wäre jetzt aber wirklich mal einen Versuch wert!

2 Kommentare

  1. Ob Frauen von Natur aus weniger zur Gewalt greifen,…… puh, das ist eine steile These. Aber sie haben seltener nach der Macht gegriffen und sie erlangt. Wie nun mächtige Frauen mit der Macht umgehen, das müssen wir abwarten. Anna-Lena Baerbock aber ist für mich ein Glücksgriff. Auch ich hatte Zweifel, ob sie dem Amt Profil geben kann, hatte sie mir als Umwelt- oder Familienministerin gewünscht. Nun aber können wir uns die Augen reiben und stellen fest, diese Frau will Macht und sie nutzt sie für den Frieden. Klar und deutlich in Haltung und Ansprache. Ihre Rede in der UN—Generalversammlung ist mir nahegegangen. Respekt, Frau Ministerin! Und: Weiter so!

    1. Es gibt momentan ein paar wunderbare Beispiele auf der Welt, was passiert, wenn Frauen in solchen Machtpositionen sitzen. Schauen wir beispielsweise mal nach Neuseeland, Island oder Finnland. Ein Garant ist das nie und Ausnahmen bestätigen sowieso die Regel, aber ich wäre sehr willens, das auf einen Versuch ankommen zu lassen. Viel schlimmer könnte es nicht werden. Und Frauen wie Annalena Baerbock geben mir da wirklich Hoffnung.

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